Klubmanagerin Anna Haidacher im Interview


Die neue Saison hat für den FC Juniors OÖ durchaus erfreulich begonnen. Nach den ersten fünf Partien rangiert die Talenteschmiede Oberösterreichs bisher noch ungeschlagen auf dem 7. Platz der 2.Liga-Tabelle.

Seit September hat der FC Juniors OÖ mit Anna Haidacher auch eine neue Klubmanagerin. Die gebürtige Wallernerin bringt jahrelange Erfahrung im Bereich des Vereinsmanagements und der Sportkommunikation mit. Seit 2014 zeichnete sich Haidacher für den Presseauftritt und die Event-Organisation des OÖ-Ligisten SV Zaunergroup Wallern verantwortlich. In den vergangenen drei Jahren war sie zudem Teammanagerin des Basketball-Teams Raiffeisen Flyers Wels.

Wir haben die Pause in der 2.Liga genutzt, um mit Anna Haidacher in einem Interview über ihre neue Aufgabe beim FC Juniors OÖ zu sprechen.

FC Juniors OÖ: Du bist seit 1. September Klubmanagerin beim FC Juniors OÖ. Wie bist du im Verein aufgenommen worden?

Anna Haidacher: Die Atmosphäre beim FC Juniors OÖ ist sehr aufgeschlossen und kollegial. Trainer, Spieler, medizinisches sowie organisatorisches Personal leben für den Verein und das spürt man jeden Tag. Ich bin sehr dankbar, Teil dieses Projektes sein zu dürfen.

J: Was bereitet dir in der täglichen Arbeit besondere Freude?

A: Ich schätze vor allem die abwechslungsreichen Tätigkeiten, das Aufgabengebiet als Klubmanagerin ist wirklich vielfältig. Durch die ständig neuen Herausforderungen entwickelt man sich selbst sehr rasch weiter und wächst mit den Aufgaben. Auch in meiner vorherigen Position bei den Flyers Wels Basketball war dies der Fall, aber im Fußball sind die Strukturen einfach nochmal professioneller und es bieten sich noch mehr Chancen zur Weiterentwicklung.

J: Gibt es auch Herausforderungen als Frau im Fußballgeschäft?

A: In all meinen Stationen im Sport kam immer wieder die Aussage „Ah die kannst ja net amoi in die Kabine lassen, wenn sich die Spieler umziehen.“ Ja, diese Aussage ist zutreffend – mit Ausnahme von Masseurinnen und Physiotherapeutinnen, die aufgrund ihrer beruflichen Notwendigkeit mit spärlich bedeckten Spielerkörpern in Kontakt kommen.

Ich persönlich achte stets darauf, Gespräche mit Physios, Spielern, Trainern etc. zu Zeitpunkten zu führen, wo nicht gerade Spieler duschen oder sich umziehen. Aber das behindert mich nicht in meiner Arbeit oder verschlechtert gar meine Leistung, die ich für den Klub erbringe. Ein (männlicher) Klubmanager oder Teammanager arbeitet auch nicht besser, wenn er neben nackten Spielerkörpern steht. 😉

J: Aktuell sind wir weltweit mit einer großen Herausforderung konfrontiert, der Coronakrise. Wie geht der Verein damit um?

A: Natürlich gibt es verschärfte Bestimmungen in unterschiedlichsten Bereichen wie etwa die regelmäßigen COVID19-Testungen, die Abschottung der roten Gruppe, Zuschauerkapazitäten usw. Doch an oberster Stelle muss immer die Gesundheit und Sicherheit stehen. Das ist uns allen bewusst, Spielern wie Betreuern, und danach leben wir auch.

J: Krisen enthalten oft auch das Potenzial für Chancen. Wo siehst du diese gerade jetzt für den FC Juniors OÖ?

A: Ich denke es ergeben sich nicht Chancen speziell für einen Verein, sondern vielmehr für den ganzen Fußballsport in Österreich. Jeder aktive Fußballer weiß gerade in der Krise mehr zu schätzen, seinen Sport ausüben zu dürfen. Zuschauer sind dankbar, wenn sie ins Stadion gehen und ihre Mannschaft anfeuern können. Fußball hat einen gesellschaftlichen Mehrwert, der durch die Krise wieder mehr in den Vordergrund gerückt ist.

J: Spielst du bzw. schaust du privat auch viel Fußball?

A: Ein großer Teil meines Privatlebens findet am Fußballplatz statt, allerdings bin bzw. war ich selbst nie als Spielerin tätig. Mein Ehemann ist Co-Trainer bei unserem Heimatverein SV Zaunergroup Wallern (OÖ-Liga), bei dem er zuvor jahrelang Spieler war. Ich bin also bei fast jedem Match dabei und habe wahrscheinlich durch die familiäre Atmosphäre dort meine Begeisterung für den Fußball entdeckt.

Auch wenn die Rolle von Frauen im männerdominierten Fußballbusiness oft etwas belächelt wird, sehe ich persönlich viele Vorteile darin, Positionen in Sportvereinen mit weiblichen Personen zu besetzen: Wie etwa der fürsorgliche, empathische Umgang mit Spielern und Betreuern oder ein Blicken über den Tellerrand der leistungsbezogenen Sportwelt hinaus. Das Paradebeispiel für mich ist Kathleen Krüger, Teammanagerin des FC Bayern München, die gerade in den letzten Jahren immer mehr als die starke Frau hinter dem starken Team wahrgenommen wird. In Österreich gibt es noch eher wenige Fußballklubs, die Frauen eine Chance geben in höheren Positionen Fuß zu fassen. Ich persönlich bin sehr dankbar für das Vertrauen, das der Klub in mich setzt.

Vielen Dank für das sehr interessante Gespräch. In der sechsten Runde der 2. Liga spielt der FC Juniors OÖ am Freitag den 23. Oktober 2020 um 18:30 Uhr in der Raiffeisen Arena Pasching gegen Kapfenberg 1919.