Josef Schörgi: Kult-Zeugwart mit Leib und Seele


Bundespräsident war ein gewisser Franz Jonas, die Les Humphries führten die Charts mit ihrem Gassenhauer „Mexico“ an und US-Präsident Nixon geriet in der Watergate-Affäre zunehmend unter Druck, als ein gewisser Josef Schörgi im Jahr 1973 seinen Dienst als Zeugwart beim damals unter dem Namen „ASKÖ Pasching“ firmierenden Verein antrat. Bis heute ist der Paschinger dem Klub, der längst FC Juniors OÖ heißt und als Talenteschmiede neu durchstartete, in dieser Funktion treu geblieben. „Schörgi“, wie das Urgestein von jedem genannt wird, hat sämtliche Epochen der Vereins- sowie auch jene der Vorgeschichte miterlebt. Als einen der schönsten Erfolge nennt er den Cupsieg im Jahr 2013.

Der Kult-Zeugwart geht seinem Job mit großer Begeisterung nach. In der Früh ist er der Erste, der die Klub-Räumlichkeiten betritt, in der Nacht der Letzte, der sie verlässt. Freilich nimmt er sich innerhalb dieser langen Spanne auch ausgiebig Zeit, um in der Geschäftsstelle nach dem Rechten zu sehen. Hier ein freches Wort über das verlorene Match des Büro-Angestellten am vergangenen Wochenende, dort eine spitze Bemerkung zur Freizeitaktivität eines Kollegen. Auch die Spieler sind vor den teils rauen Späßen des Paschingers nie sicher.

Zeugwart-Original mit Herz

Dabei ist Schörgi dem Verein wie kaum ein Zweiter verbunden. Während der Spiele nimmt er abseits des Publikums auf einer verlassenen Tribünenseite Platz, um die Mannschaft lautstark zu dirigieren und mitzufiebern. Er nimmt sich dabei selten ein Blatt vor den Mund, gilt als überkritisch. Aber auch das ist großteils Fassade. Bei wichtigen Siegen seiner „Buam“ wurde der Kult-Zeugwart nicht selten dabei ertappt, wie er mit feuchten Augen die Kabine betrat. Vor dem Aufstieg in die 2. Liga soll dies beinahe wöchentlich passiert sein.

In seiner Freizeit ist das Juniors-Urgestein sehr häufig auf den verschiedenen Fußballplätzen der Region anzutreffen. Bekannt ist Schörgi dabei wie ein bunter Hund. Spricht man mit Fußballfunktionären quer durch das Bundesland über den FC Juniors oder den alten FC Pasching, so wird mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein „schöner Gruß an den Schörgi“ ausgerichtet. Überbringt man ihm diesen, lächelt er zumeist freundlich und denkt angeregt nach. Selten, dass ihm dabei keine Geschichte aus vergangenen Zeiten einfällt. Handelt es sich dabei um einen Spieler, den er einst betreut hat, ist in den Augen wieder dieses Funkeln zu entdecken.