Chefcoach Gerald Scheiblehner im Gespräch


Die Coronakrise hat in den letzten Wochen den Fußball völlig zum Erliegen gebracht. Die nahe Zukunft ist noch ungewiss. Im Gespräch mit Chefcoach Gerald Scheiblehner bekommen wir einen Einblick wie es ihm, dem Trainerteam und der Mannschaft in diesen Zeiten geht.

Juniors: Gerald, zuerst mal die wichtigste Frage: Du und deine Familie, ihr seid alle wohlauf?

Trainer: Danke der Nachfrage! Uns geht es Gott sei Dank allen gut. Und ich bin noch verheiratet, die Kinder sind noch nicht ausgezogen. Die letzten Wochen waren bzw. sind sehr speziell.

J: Die Meisterschaft unterbrochen, wie es weitergeht noch unklar. Was waren deine ersten Gedanken, als im März die vorzeitige „Liga-
Pause“ verkündet wurde?


T: Wir wussten ja bereits vor unserem Spiel in Kapfenberg, dass das das letzte Spiel für eine längere Zeit sein wird, die Pause kam deshalb nicht überraschend für uns. Wir dachten allerdings nicht, dass es so lange dauern wird bis wir wieder gemeinsam auf dem Platz stehen dürfen. Wir hätten natürlich gerne weitergespielt, wir waren gut drauf. Die Unterbrechung war aus bekannten Gründen aber absolut notwendig.


Wie konntest du und dein Trainerteam den Kontakt mit der Mannschaft halten?


Einmal pro Woche haben wir unsere Spieler via Zoom zur Videokonferenz eingeladen, zudem telefonierten wir regelmäßig und haben per WhatsApp Kontakt gehalten. Es war uns wichtig, die von der Bundesliga erhaltenen Informationen so schnell wie möglich an die Spieler weiterzugeben, vor allem aber auch nachzufragen wie es den Jungs in dieser außergewöhnlichen Situation geht.


Wenn man überhaupt von einem Alltag sprechen kann, wie sieht der aktuelle „Trainings-Alltag“ der Spieler aus?


Unser Athletiktrainer Roland Sieghartsleitner ist sehr bemüht, das Heimprogramm nicht nur so fußballspezifisch wie möglich, sondern auch so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Ihre Dokumentation über die absolvierten Einheiten lassen uns die Burschen per WhatsApp zukommen. Unsere Spieler müssen sich darüber hinaus regelmäßig selbst Übungen einfallen lassen, die zu Hause mit Ball umsetzbar sind. Je nach Trainingsintensität und -umfang integriert Roland auch diese Übungen ins Heimprogramm, sodass eine noch höhere Identifikation der Spieler mit unseren Vorgaben möglich ist.


Was war bzw ist die größte Herausforderung in dieser Zeit?


Die Situation zu akzeptieren und nicht in Aktionismus zu verfallen. Als Trainer ist es meine Aufgabe in diesen turbulenten Zeiten Ruhe und Übersicht auszustrahlen, auch wenn Informationen großteils spärlich fließen und sie eine Planung nahezu unmöglich machen. Mein Team und ich haben daher auch bewusst an die Eigenverantwortung unserer Spieler appelliert, die für den Profi-Fußballer ohnehin essentiell ist. Die Burschen sind bislang gut mit der Situation umgegangen und werden es künftig wohl noch ein gutes Stück mehr schätzen, gemeinsam auf dem Platz sein und Fußball spielen zu dürfen.

Sollte diese Saison doch noch fortgesetzt werden: Unter welchen Bedingungen ist das deiner Ansicht überhaupt noch möglich?


Um die Meisterschaft vernünftig fortführen zu können, braucht es jedenfalls mindestens drei Wochen Mannschaftstraining (mit allem, was dazu gehört) und zwei Testspiele. Das Heimprogramm der Spieler ist mit dem Training auf dem Platz nicht annähernd zu vergleichen. Wenn alle derzeit von Gesundheit als höchstes Gut sprechen, dann sollte es auch bei unseren Spielern um diese gehen. Ein verfrühter Start mit zu wenigen Einheiten am Platz würde viele Verletzungen bringen, die nicht zu verantworten sind.

Irgendwann liegt die Coronakrise hinter uns, der Ball wird wieder rollen. Ob in dieser oder der nächsten Saison. Worauf freust du dich am meisten, wenn es wieder losgeht mit Mannschaftstraining und vor allem mit Bewerbsspielen?


Die vergangenen Wochen haben mir einmal mehr gezeigt, wie leidenschaftlich gerne ich mich dem facettenreichen Thema Fußball widme. Ich freue mich als Trainer deshalb schlichtweg auf den Fußball-Alltag: auf die gemeinsame Trainingsplanung, auf die Trainingseinheiten am Platz und vor allem auf den damit wieder möglichen persönlichen Kontakt mit allen, die zu meinem Team gehören. Und natürlich fiebere ich – wie alle Fußballfans – einem baldigen ersten Anpfiff entgegen, mit dem hoffentlich erneut eine erfolgreiche Saison startet.