„Jedes einzelne Talent noch hungriger machen“


Im Gespräch mit fcjuniors.at gibt Gerald Scheiblehner spannende Einblicke in die Arbeit mit jungen Spielern. Auch spricht der neue Cheftrainer unter anderem über seine Spielidee sowie Entwicklungsmöglichkeiten junger Spieler.

Als ehemaliger Trainer von Wallern, Donau Linz, St. Florian und Vorwärts Steyr kennst du den oberösterreichischen Fußball praktisch wie deine eigene Westentasche. Welchen Stellenwert hat der FC Juniors OÖ aus deiner Sicht speziell im oberösterreichischen Kontext?

Es sollte das Ziel jedes jungen, ambitionierten oberösterreichischen Nachwuchsfußballers sein, nach seiner Ausbildung den Sprung in die Mannschaft der FC Juniors OÖ zu schaffen. In dieser Mannschaft mit der Plattform der 2. Bundesliga und den vorhandenen sehr guten Trainingsbedingungen sind die Voraussetzungen optimal, den nächsten Schritt in der Karriere zu machen. Der FC Juniors OÖ sollte deshalb einen besonders hohen Stellenwert bei allen jungen Kickern haben, die den Traum vom Profifußballer leben wollen.

Noch einmal kurz zu deiner Vergangenheit: Du hast den SK Vorwärts Steyr als Trainer in die 2. Liga geführt, warst dort knapp vier Jahre lang als Cheftrainer tätig. Wie es das Los will, gastieren die „Rotjacken“ gleich zu deiner Heimpremiere in Pasching. Ist dieses Spiel für dich etwas Besonderes oder einfach ein Match wie jedes andere?

Selbstverständlich ist es etwas Besonderes für mich, jetzt gegen den Verein zu spielen, bei dem ich über einen sehr langen Zeitraum arbeiten durfte. Ich habe bei der Vorwärts mit vielen Menschen zusammengearbeitet, auf deren Wiedersehen ich mich heute schon freue.
Klar ist aber auch, dass ich jetzt Trainer der Juniors und fokussiert auf meine jetzige Arbeit bin. Das Spiel gegen Vorwärts Steyr möchte ich genauso gerne gewinnen wie alle anderen Spiele auch.

Du hast schon in der Vergangenheit häufig mit jungen Spielern zusammengearbeitet, giltst als Förderer. Worauf kommt es deiner Meinung nach in der Arbeit mit Talenten an?

Grundvoraussetzung ist, dass man als Trainer gerne mit jungen Menschen zusammenarbeitet. Ich bin davon überzeugt, dass es nicht nur darauf ankommt, die Burschen am Platz weiterzuentwickeln, sondern sie auch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen. Die Erwartungen sind oft sehr hoch und die Geduld leider sehr schnell enden wollend. Darum ist es wichtig, die Jungs auch auf Rückschläge vorzubereiten.

Ich sehe meine Aufgabe darin, junge Spieler auf einem kurzen, aber sehr entscheidenden Weg ihrer Karriere zu begleiten und ihnen dabei zu helfen, jene Eigenschaften zu entwickeln, die sie brauchen, um erfolgreich zu sein. Viele junge Spieler glauben, schon sehr viel erreicht zu haben und wissen nicht, dass noch sehr viel mehr zu leisten ist, um sich als Profi über einen längeren Zeitraum zu etablieren. Ich versuche, jedes einzelne Talent zielbewusst im Kollektiv noch „hungriger“ nach Erfolg zu machen.

Eine Woche vor Meisterschaftsbeginn gibt der FC Juniors OÖ sein Comeback im ÖFB-Cup. Was können speziell junge Spieler in einem Bewerb wie diesem lernen bzw. was können sie sich davon mitnehmen?

Jedes Bewerbsspiel ist lehrreich. Nach vielen Jahren im Nachwuchsfußball, bei dem die Ausbildung im Vordergrund steht, geht es ab jetzt um Punkte und Siege, vor allem im Cup-Bewerb. Da gibt es nur dieses eine Spiel, keine zweite Chance für ein Weiterkommen. Die Jungs müssen lernen, sich auch gegen erfahrene Profis durchzusetzen, die schon deutlich routinierter sind.

Für viele Spieler wird es zudem neu sein, vor teilweise zahlreichem Publikum zu spielen. Siege und Niederlagen haben andere Konsequenzen, werden anders und von einer viel breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen.
Wir freuen uns schon, wenn´s endlich losgeht!

Im modernen Fußball wird immer häufiger von „Spielidee“ gesprochen. Für welchen Spielstil wird der FC Juniors OÖ unter Gerald Scheiblehner stehen, worauf können sich die Fans einstellen?

Wir wollen einen sehr intensiven, lauffreudigen und erfrischenden Fußball spielen. Die Jungs sollen sich etwas zutrauen und zeigen, dass sie gemeinsam eine klare Idee mit und ohne Ball im Kopf haben. Fehler sind erlaubt und dürfen passieren, sie müssen aber schnellstmöglich wieder ausgebessert werden. Wenn wir es zusammen schaffen, die Bälle, die wir verlieren so schnell wie möglich wieder zurück zu gewinnen und schnell vor das gegnerische Tor zu kommen, dann sind wir auf einem guten Weg, der Spielidee zu folgen.

Wie würdest du deinen Führungsstil beschreiben? Brauchen gerade junge Spieler einen nahbaren Trainer (Stichwort „Kumpeltyp“) oder ist hier eher Distanz nötig?

Es braucht „alles“! Sowohl den autoritären Chef als auch den Kumpel. Die Situation und der Moment sind entscheidend. Trainer und Spieler wollen den maximalen Erfolg. Als Trainer achte ich deshalb bewusst darauf, die Leistung und nicht den Spieler als Menschen zu bewerten. Die Spieler müssen davon überzeugt sein, dass ich jene Spieler aufstelle, die meines Erachtens nach die besten an diesem Tag sind. Innerhalb des Teams versucht jeder seinen bestmöglichen Weg zu gehen, Spieler und Trainer gleichermaßen. Im Vordergrund steht aber unmissverständlich immer der Erfolg der Mannschaft und dem muss sich jeder unterordnen. Wenn ich als Trainer authentisch bin, zu meinen Werten stehe und auch Fehler zugestehe, die unweigerlich passieren, wenn Menschen zusammenarbeiten, dann ist ein sehr gutes Auskommen mit den Jungs garantiert.